F i l m g a l e r i e
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Sarah empfiehlt zwei Filme über EINBRÜCHE IN PRIVATSPHÄREN
BIN-JIP - LEERE HÄUSER: Tae-suk bricht in Häuser ein, deren Eigentümer verreist sind. Er will nichts stehlen, er will dort nur vorübergehend wohnen. Jedes Mal fühlt er sich wie zu Hause: er kocht, duscht, schläft, erledigt kleine Reparaturen und liegengebliebene Hausarbeiten. Nach ein paar Tagen verlässt er die fremden Häuser und sucht sich ein neues Refugium. Tae-suks Ritual wird unterbrochen, als er in einer luxuriösen Villa das unglücklich verheiratete Model Sun-hwa trifft: Eine außergewöhnliche Liebe beginnt. Atemberaubend schöner, märchenhaft weltentrückter Film von Kim Ki-duk.
Following: Der Einzelgänger Bill verfolgt willkürlich fremde Menschen quer durch London - unter dem Vorwand, als Schriftsteller zu recherchieren, zunehmend aber aus voyeuristischer Neugier. Einer der Beschatteten stellt Bill zur Rede und überrascht ihn: Er ist Einbrecher und raubt Wohnungen nicht einfach aus, sondern genießt die Macht, in den persönlichen Besitztümern der Bewohner zu stöbern und in deren Leben einzudringen. Bald darf Bill ihn begleiten...

Spannendes, vertrackt konstruiertes No-Budget-Debüt von "Memento"-Regisseur Christopher Nolan.

Aljoscha empfiehlt scheinbare Widersprüche: Zwei Western aus der arabischen Welt
DEN MENSCHEN SO FERN 1954 brodelt in Algerien eine Rebellion, die zum Krieg mit der französischen Kolonialmacht führen wird. Weitab vom politischen Geschehen in einem einsamen Dorf des Atlasgebirges unterrichtet der Französischlehrer Daru (Viggo Mortensen). Daru ist ein "pied-noir", also ein Algerienfranzose, der früher in der französischen Armee diente. Mitten im Winter wird er aufgefordert, den Bauern Mohamed (Reda Kateb) zur nächsten Polizeistation zu bringen - dem Mann wird vorgeworfen, ein Dissident und Mörder zu sein, ihm droht die Hinrichtung. Verfolgt von Reitern und Dorfbewohnern, die Blutrache geschworen haben, flüchten sie durch Berge und die Wüste, um gemeinsam für ihre Freiheit zu kämpfen. Nach und nach entwickeln die beiden Männer Verständnis füreinander und nähern sich an.

"Der französische Regisseur David Oelhoffen übersetzt die existenzphilosophische Fragestellung einer Kurzgeschichte von Albert Camus sehr souverän in einen hochästhetischen Genrefilm mit grandiosen Bildern" (filmstarts.de)
THEEB Der Nahe Osten im Jahr 1916. Theeb ist ein aufgeweckter Junge und bewundert seinen Bruder Hussein, der älter ist und schießen kann. Als ein Fremder zu Gast ist und bewirtet wird, bringt Theeb diesen in Verlegenheit, weil er ihn dabei ertappt, wie er eine Speise hinter seinem Rücken wegwerfen will. Der fremde Mann ist ein Engländer. Das is14934t für Theeb ohne Bedeutung - für die Region aber umso mehr.

Das Debüt des Regisseurs Naji Abu Nowar war 2016 als erster jordanischer Film für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. 'Theeb' interessiert sich für "das Leben der Beduinen, die noch vor wenigen Jahrzehnten als nomadisierende Jäger und Viehzüchter die Wüste durchzogen: Davon geht die Faszination eines Films aus, in dem die alte Geschichte von zwei Feinden, die in der Wildnis aufeinander angewiesen sind, auf originelle Weise neu erzählt wird." (NZZ)

Elsa empfiehlt zwei Filme mit SANDRA HÜLLER (bekannt durch Toni Erdmann)
REQUIEM: Anfang der 1970er Jahre: Die junge Michaela Klingler (Sandra Hüller) verlässt ihr streng katholisches Elternhaus, um ein Studium zu beginnen. Glücklich genießt sie die ersten Schritte in der neuen Freiheit. Doch Michaela wird von ihrer Vergangenheit eingeholt: Sie hat immer öfter mit Wahnvorstellungen zu kämpfen, hört Stimmen und glaubt, von Dämonen besessen zu sein. Schließlich begibt sich Michaela in die Obhut eines jungen Priesters und stimmt einem Exorzismus zu...

Äußerst intensives Drama völlig fernab gängiger Horror-Klischees.
ÜBER UNS DAS ALL: Eine glücklich verheiratete Frau in den Dreißigern (Sandra Hüller) erfährt wie aus dem Nichts vom Selbstmord ihres Mannes. Unfähig, das Unfassbare mit all seinen Konsequenzen zu begreifen, stürzt sie sich in eine neue Beziehung - und führt ihr Leben fort, als ob nichts gewesen sei.

Eindrucksvolles deutsches Drama um das noch immer mit Tabus belegte Thema Suizid und die Folgen für die Zurückbleibenden. "Ein grandioser, minimalistisch-konzentrierter Wurf mit großem Potenzial für Kontroversen." (filmdienst)

Das besondere Double-Feature: Die Unsterblichkeit der Mode
TRÄUME NICHT SIBYLLE, anlässlich des Todes von Sibylle Boden-Gerstner, Mitbegründerin und Namensgeberin der DDR Mode- und Kulturzeitschrift "Sibylle". Modefotografie in der DDR - das hieß fast immer "Sibylle"-Fotografie: Wie keine zweite Zeitschrift hat die "Sibylle" die Sicht auf Mode in der DDR und - weit darüber hinausgehend - auf Lebensweise und Kultur geprägt. Denn Mode war weit mehr als nur Bekleidung. Die "Sibylle" war außergewöhnlich und sehr begehrt. Die Dokumentation fragt nach der politischen Dimension dieser Zeitschrift und stellt die einstigen Macherinnen in einem persönlichen Portrait vor. Sie lassen uns teilhaben an ihrer Zeit bei der "Sibylle" - vor und nach der Wende. Dabei wird auch einiges an DDR-typischem Konfliktstoff berührt. Es war die leidenschaftliche Zeit des DDR-Kulturkampfes - Neue Ästhetiken versus Funktionäre...

A SINGLE MAN, Debüt des Modedesigners Tom Ford, dessen Nachfolger "Nocturnal Animals" gerade in den Kinos läuft: Fords cineastisches Erstlingswerk spielt in den 1960er Jahren und ist eine Hommage an die Mode der Zeit. Ein Literaturprofessor versucht nach dem Tod seines Lebenspartners wieder ins Leben zurückzufinden - doch seine traurige Vergangenheit scheint übermächtig...

So formal brillanter wie emotional berührender, von den Protagonisten Colin Firth und Julianne Moore wunderbar interpretierter Film um Isolation und Verlust. Nach dem Roman von Christopher Isherwood.

Till empfiehlt zwei 2016er Lieblingsfilme
"MEIN EIN, MEIN ALLES" Nach einem schweren Skiunfall wird Tony (Emmanuelle Bercot) in ein Reha-Zentrum gebracht. Dort muss die junge Frau nicht nur mühsam das Gehen neu erlernen, sondern auch ihr inneres Gleichgewicht wiederfinden. Zeit, um auf ihre turbulente Beziehung mit Georgio (Vincent Cassel) zurückzublicken: Warum haben sie sich geliebt? Wer ist dieser Mann, dem sie so verfallen war? Und wie konnte sie es zulassen, sich dieser zerstörerischen Leidenschaft auszuliefern? Vor Tony liegt ein langer Heilungsprozess, aber auch eine Chance, die Stücke ihrer zerbrochenen Persönlichkeit neu zusammenzusetzen und am Ende wieder frei zu sein.

"Mit ihrem intensiven Liebesdrama inszeniert Maiwenn Le Besco eine mitreißende und zudem stark gespielte Amour fou." (filmstarts.de)
"AMERICAN HONEY" “We found love in a hopeless place”… Star ist gefangen in einem Leben, dass sie sich so nicht erträumt hat. Als sie eines Tages Jake sieht, ist sie fasziniert. Er ist der vermeintliche Kopf einer Gruppe unbeschwerter Jugendlicher, denen sie in einem Supermarkt begegnet. Unvermittelt lädt er sie ein, sich ihnen anzuschließen. In Star keimt der Gedanke, alles hinter sich zu lassen. Jake hat ihr den Kopf verdreht und so stürzt sie sich ins Abenteuer, in die Freiheit und das Gefüge einer Gruppe mit ganz eigenen Regeln - tagsüber ziehen sie von Haustür zu Haustür, um halb-legal Magazine zu verkaufen, und nachts feiern sie wild und zügellos. Ein Roadtrip in das Herz Amerikas und der Beginn einer rohen jungen Liebe, die ihre Grenzen sucht….

"It’s not social realism in the British sense; maybe it’s closer to New Wave, a nouvelle vague americaine with its youth, sex and outlaw freedom. Selling magazine subscriptions? Is that like Jean Seberg selling the New York Herald Tribune in Godard’s Breathless? There is a great performance here from Sasha Lane and this is another step onwards and upwards for Andrea Arnold herself..."(The Guardian)

Das filmische Diptychon von Joshua Oppenheimer zum vergessenen Genozid in Indonesien:
THE ACT OF KILLING: Nach dem Militärputsch in Indonesien Mitte der 60er Jahre erklärte General Suharto alle Kommunisten zu Verbrechern. Unzählige staatlich sanktionierte Todestrupps zogen los und folterten, ersäuften und verbrannten jeden, der im Verdacht stand, Mitglied oder Sympathisant der KPI zu sein; bis zu einer Million Menschen wurden so ermordet. Noch immer sehen sich diese Männer als Helden, und so folgen sie der Idee von Regisseur Oppenheimer, ihr blutiges Handwerk detailliert nachzuspielen, gern. Straffrei seit 50 Jahren, schlüpfen sie in Fantasieuniformen oder schillernde Gangster-Anzüge und erzählen von der guten alten Zeit. Über ihre Kommentare der Inszenierung, den improvisierten Rollentausch beim Tötungsakt oder die familiäre Konfrontation entsteht ein ebenso faszinierendes wie zutiefst verstörendes Porträt der Banalität des Bösen. THE LOOK OF SILENCE: Der Film führt Regisseur Joshua Oppenheimer zurück nach Indonesien. Hier hatte er bereits mit seiner Dokumentation "The Act of Killing" die verheerenden Massaker der Militärdiktatur an vermeintlichen Kommunisten in den 60er jahren beleuchtet und dabei die Täter in den Vordergrund gestellt: Nun wendet sich Oppenheimer der anderen Seite des Genozids zu, den Familien der Opfer. Sie wohnen noch immer Tür an Tür mit den Tätern, die damals ihre Angehörigen töteten und die sie mitunter auch heute noch drangsalieren.

"The Act of Killing ist für uns einer der besten 100 Filme aller Zeiten – und die Fortsetzung 'The Look of Silence' steht dem Vorgänger in nichts nach." (filmstarts.de)

Cindy empfiehlt zum Thema ZEITSCHLEIFE
REMAINDER Wie die unendliche Schleife eines Möbiusbands beginnt und endet der Film im selben Moment. Darin liegt der Ausschnitt eines Lebens: Nachdem er sein Gedächtnis bei einem schweren Unfall verloren hat, versucht ein junger Mann, sich selbst zu verstehen, indem er in seine bruchstückhafte Erinnerung eintaucht. Die achteinhalb Millionen Pfund Schadensersatz, die er unter der Maßgabe des Stillschweigens erhalten hat, ermöglichen es ihm, sich immer obsessiver eine Welt und eine Identität zusammenzubauen, in der sich die mögliche Vergangenheit in der Gegenwart realisiert. "Dem israelischen Videokünstler Omer Fast ist mit dem Thriller ein famoses Kinodebüt gelungen. Ein Film über Wahn und Wirklichkeit in der vernetzten Gegenwart." (Süddeutsche Zeitung)
TRIANGLE Als einige Teens bei ihrem Segeltörn von einem Sturm überrascht werden, können sie sich auf einen auf dem Meer treibenden Dampfer retten. Dort geht jedoch Merkwürdiges vor sich...

Spannender und atmosphärischer Horror von Christopher Smith ("Severance"), der als düstere Allegorie ganz hervorragend funktioniert.

Zwei spannende Dokumentarfilme zum Kino der Weimarer Republik und der NS-Zeit
"VON CALIGARI ZU HITLER: DAS DEUTSCHE KINO IM ZEITALTER DER MASSEN" Die Dokumentation erzählt die Epoche des deutschen Kinos "im Zeitalter der Massen" zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit und ergänzt dies mit Ausblicken auf das politische und gesellschaftliche Geschehen der 1920er-Jahre. Sie waren nicht nur die bis heute wichtigste Zeit des deutschen Kinos, sondern eine der wunderbarsten Epochen des Kinos überhaupt. Der Film enthält neben den Klassikern von "[[Nosferatu]]" bis "Der blaue Engel" auch viel Unbekanntes, nie Gezeigtes, völlig Vergessenes. Eine Reise in die beste Zeit des deutschen Kinos – und in die Abgründe des Unbewussten der Weimarer Republik.

VERBOTENE FILME - DAS VERDRÄNGTE ERBE DES NAZI-KINOS" Zwischen 1933 und 1945 wurden in Deutschland 1200 Spielfilme hergestellt, 300 Filme wurden nach dem Krieg von den Alliierten verboten. Über 40 NS-Filme sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich, sie werden als "Vorbehaltsfilme" bezeichnet. Der Umgang mit ihnen ist schwierig: Bewahren oder entsorgen, freigeben oder verbieten? Die Dokumentation macht sich auf die Suche nach dem Mythos dieser Filme, ihrem Publikum und ihrer Wirkung heute – eine Reise zur dunklen Seite des Kinos. Regisseur Felix Moeller zeigt, wie die "Vorbehaltsfilme" auf ein heutiges Publikum treffen und wie sie diskutiert werden.
Josefa empfiehlt passend zum Kulturjahr Sucht
EDEN - LOST IN MUSIC: In den frühen Neunzigern ist der junge DJ Paul hautnah dabei, als das French House mit DJ-Gruppen wie Daft Punk und Cheers seinen Siegeszug feiert. Er lebt seinen Traum und verliert sich dabei immer mehr in den Tiefen dieser Parallelwelt, in einem flüchtigen Nachtleben bestehend aus Sex, Drogen und immerwährenden Beats - ein aufregendes und ekstatisches Generationsportrait, aber auch ein Film über die Verwirklichung von Träumen und deren Scheitern.

Der vierte Film der 34-jährigen Regisseurin Mia Hansen-Løve erzählt die autobiographische Geschichte ihres Bruders. Die distanzierte Erzählweise und die elliptischen Sprünge der Handlung vermitteln dabei sehr gut die kühle und gleichzeitig unglaublich tanzbare Stimmung der neuartigen Klänge jener Zeit.
REQUIEM FOR A DREAM: Harry ist ein kleiner Dealer in Brooklyn. Er und sein Freund Tyrone strecken Heroin und sind auf dem Weg nach Florida, um es dort an den Mann zu bringen. Harrys Freundin Marion (Jennifer Connelly) bleibt in New York. Sie ist schön, aus gutem Haus - und ebenfalls hoffnungslos süchtig. Mit dem Dealer Big Tim tauscht sie Sex gegen Dope. Harrys Mutter hingegen scheint einen Treffer gelandet zu haben: Sie ist als Kandidatin für ihre Lieblings-TV-Show eingeladen. Bis zu ihrem Auftritt möchte sie mit Hilfe von Appetitzüglern abnehmen. Doch durch ihren Pillenkonsum verliert sie völlig den Kontakt zur Realität...
Konsequentes, schwer erträgliches Sozialdrama um die zerstörerische Kraft der Sucht.